Sonntag, 16. Dezember 2012
Taxigeschichten
Vor Kurzem wurde ich von einer Kneipe angerufen. Als ich dort war, kam ein Mann mit einem großen Koffer aus der Kneipe heraus. Ich stieg aus, nahm von ihm den Koffer und legte ihn in den Kofferraum. Wir stiegen ein. Als Ziel nannte er ein Bordell. Er wollte mit einem großen Koffer! ins Bordell gehen. Und betrunken war er auch.
„Die sind alle Penner!“, sagte er.
„Wer?, fragte ich.
„Die da“, antwortete er, und zeigte auf die Kneipe. „Streitlustige Schweine“.
Ich sagte nichts.
„Ach mein Leben ist sowieso scheiße“, sagte er. „Meine Frau hat mich raus geschmissen.“
„Warum?“
„Wenn ich das wüsste. Du weißt schon, wie die Frauen nun mal sind.
„Du scheinst ein netter Mann zu sein. Ich verstehe nicht, warum deine Frau dich rausgeschmissen hat“, sagte ich.
„Ich bin immer nett zu ihr, und was macht sie mit mir?“ Plötzlich schlug er mich mit der Rückseite seiner Hand ins Gesicht. Meine Brille rutschte zur Seite und mein Kopfhörer fiel unter den Sitz. Ich war geschockt. Der Schlag kam ganz plötzlich. „So macht sie mit mir“, sagte er.
Erst jetzt wusste ich, warum er mich geschlagen hatte. Er wollte symbolisch zeigen, dass seine Frau nicht nett zu ihm war, aber er zu ihr schon.
Ich hab meine Brille wieder aufgesetzt.
Um das Ganze noch einmal erklärt zuhaben: „Ja, ja, ich bin immer nett zu ihr, aber was macht sie mit mir? Bannnnng! Er gab mir noch ein Schlag ins Gesicht..
„Hey Mann! Lass mich fahren“, sagte ich.

„Entschuldigung!“, sagte er. Ich wollte nur sagen, dass sie mich schlecht behandelt, ich bin aber immer gut zu ihr gewesen.“
„Ja, aber das kannst du mir auch erzählen, ohne mich zu schlagen.“
„Sie ist für mich gestorben“, sagte er nach einer kurzen Pause. „Sie ist für mich gestorben“
Er suchte in seinen Taschen. „Ich habe doch mein Handy dabei gehabt“, sagte er. „Ach ja, hier ist das.“
Er wählte eine Nummer und hielt das Handy ans Ohr. Und nach ein paar Sekunden: „Siehst du, die Sch… hat ihr Handy ausgeschaltet.“
„Du hast doch gesagt, dass sie für dich gestorben ist. Warum rufst du sie an?“
„Sie ist für mich gestorben.“
Und dann rief er sie wieder an. „Ja, ihr Handy ist aus.“
An einer Kreuzung sagte er. „Hier rechts.“
„Vorne rechts“, sagte ich.
„Nein hier! Ich kenne diese Gegend wie meine Westentasche.“
Ich dachte, er kennt die Gegend wirklich wie seine Westentasche, und bog rechts und ließ mich von ihm lotsen. Mal rechts und mal links, und nach ein paar Minuten landeten wir in einer Sackgasse.
„Und wie geht es jetzt in deiner Westentasche weiter?“, fragte ich.
„Wo sind wir?“, fragte er.
„Also, du kennst dich doch nicht aus.“
Ich fuhr zurück.
„Hier Links!“, sage er.
„Lass mich fahren Mann! Sonst kommen wir nie an. Ich habe einen Folgeauftrag“, sagte ich.
„Ok! OK!“
Als wir vor dem Bordell waren und er ausstieg, war ich erleichtert.

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Als Taxifahrer muss man wohl wirklich gute Menschenkenntnis haben um zu wissen, wie man einen Fahrgast behandeln kann und wie nicht. Ich meine, ich hätte wohl ziemlich Schiss vor so einem betrunkenen Mann gehabt, und den dann noch durch die Gegend zu fahren. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie ich mit so einem Menschen umgehen sollte. Frau verlassen, total blau und dann noch sichtlich agressiv. >_<

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Du hast völlig Recht Treeflower. Bezüglich der Menschenkenntnisse erzähle ich gleich eine Geschichte.

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